WHAM! war trotz ihrer kurzen Existenz sehr erfolgreich! In der WHAM!-Doku erfährst du alles über die Karriere.

Die WHAM-Doku – eine Bandgeschichte

Mit etwas Verspätung würdigt Andrew Ridgeley das 40-jährige Jubiläum von Wham!. Anlässlich dessen erschienen eine neue Single-Box sowie eine 92-minütige Netflix-Doku, welche die Geschichte von Andrew Ridgeley und George Michael erzählt. Im dpa-Interview meint Andrew: „Ich hatte das Gefühl, dass viele junge Leute die Geschichte nicht kennen. Die kennen „Wake Me Up“ oder „Club Tropicana“, aber nicht die Geschichte von zwei Jungs, die sich in der Schule begegnet sind und dann zu einer der größten Band der Zeit wurde.“Also gibt es nun für all diejenigen eine WHAM-Doku.

Quickfacts

Bandmitglieder:
Andrew John Ridgeley & Georgios Kyriacos Panayiotou alias George Michael, Dee C Lee (1982–1983), Pepsi Demacque und Shirlie Holliman
Gründung:
1981
Auflösung:
1986

Entweder man liebt oder man hasst sie – während die einen von den Hits der 80er nicht genug bekommen können, gehen sie anderen einfach nur auf die Nerven. Insbesondere beim Weihnachtsklassiker „Last Christmas“ scheiden sich die Geister jedes Jahr aufs Neue. Hinter Hits wie diesem steckt das Duo „Wham!“, bestehend aus Andrew Ridgeley und George Michael. Obwohl Wham! in den 80ern nur für einen kurzen Zeitraum von 1981 bis 1986 aktiv war, war ihr Einfluss auf die zeitgenössische Popkultur enorm.

Schicksalhafte Begegnung

Es war George Michaels erster Tag in einer neuen Schule in Nordlondon, als sich die Wege des damals 12-jährigen Andrew und des 11-jährigen George quasi schicksalsartig kreuzten. Als der Klassenlehrer fragte, „Wer kümmert sich um den Neuen?“, meldete sich Andrew zu Wort. Bald stellte sich heraus, dass die beiden auf derselben Wellenlänge waren. Mit etwa 16 Jahren erfolgte die Gründung der fünf-köpfigen Band „The Executive“. Doch die Jungs nahmen die Band damals scheinbar nicht allzu ernst, was schließlich das Aus bedeutete. Übrig blieben Andrew und George, für die die Reise aber weiterging. Es dauerte nicht lange, bis sie das Duo “Wham!” ins Leben riefen.

Musikalische Sozialkritik trifft Disco-Rhythmen

Wham!’s Lieder sollten die Verhältnisse in den frühen 80er-Jahren widerspiegeln. Diese waren von Protestmärschen im ganzen Land sowie dem rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit bei 16- bis 18-Jährigen geprägt. Andrew und George gelang es, die Ereignisse in sozialkritische Texte zu packen und diese anschließend in Disco-Rhythmen einzubetten. Als sich die Jungs auf die Suche nach einer Plattenfirma für einen Plattenvertrag machten, wurde Mark Dean auf das Duo aufmerksam. Kurz darauf kam ein Plattenvertrag mit Innervision zustande. Andrew und George beschlossen, zwei Mädchen mit an Bord zu holen. Shirlie, Andrews Freundin und Dee C Lee sollten die Auserwählten sein.

Von Flop zu Top

Es folgte die erste Single: „Wham Rap! (Enjoy What You Do)“. Das Duo schien davon überzeugt zu sein, dass sie auf Anhieb einen Volltreffer landen würden – doch vergebens. Die Single schaffte es nicht einmal in die Top 100. Es folgte „Young Guns“, der auf Platz 42 stehen blieb. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten sollte es von nun an jedoch nur noch bergauf gehen. Der Gastauftritt bei der Chart-Show „Top of the Pops“ läutete eine Wende ein. Mit gerade einmal 20 Jahren schienen Andrew und George die Karriereleiter hinaufzuklettern. “Wham Rap!” wurde neu veröffentlicht und erreichte Platz acht.

Zwischen Erfolgsformel und kreativer Freiheit

Man betitelte das Duo als Kulturkrieger, wodurch sie in gewisser Weise dazu gezwungen wurden, nach einer bestimmten Formel zu schreiben. Währenddessen erzielte der Song „Bad Boys“ Platz zwei der Charts. Doch die Single schien Andrew und George nicht zu erfüllen, da sie aus ihrer Sicht zu formelhaft geraten war. Daraufhin wurde ihr Verlangen, etwas anderes zu machen, immer größer. Die Vision: fröhlicher, neuer Pop. Das Resultat: „Club Tropicana“, das von der Musikpresse jedoch gebrandmarkt wurde, weil es eben nicht der typischen Wham!-Formel entsprach. Privat bedeutete der Song jedoch eine Menge: Das Musikvideo hierfür wurde auf Ibiza gedreht, wo George auch die Gelegenheit nutzte, Andrew seine Homosexualität zu offenbaren.

Interne Spannungen

Während George in Rekordzeit Songs schrieb, schritt Andrews Songwriting im Schneckentempo voran. Das sorgte für Spannungen zwischen den beiden Musikern. Unzufriedenheit darüber, dass Michael derjenige war, der die Songtexte aufsetzte. Zwar heißt es, dass sie das Thema zu einem Zeitpunkt geklärt hatten – welche Vereinbarung die beiden trafen, wird jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Wham-Doku erwähnt.

Fantastic

Ihr Debütalbum „Fantastic“ landete auf Anhieb auf Platz eins der Album-Charts. Es folgte die „Club Fantastic Tour“, auf die sich das Duo wochenlang in intensiven Proben vorbereitet hatte. Sportswear-Looks sollten den Überschwang der Jugend, Spaß und Aufregung zum Ausdruck bringen und die beiden zu Teenageridolen machen. Die Tour war mehr als nur ein Erfolg und das Medieninteresse an Wham! enorm. Michael gestand, dass gerade seine Schüchternheit zu jener Zeit dazu führte, dass er eine regelrechte Sucht nach Ruhm entwickelte.

Geburtsstunde von „Wake me up up before you go-go'“

Eines Tages übernachtete George in Andrews Gästezimmer. Als er morgens aufstand, erspähte er einen Zettel an Andrews Zimmertür, auf dem fälschlicherweise „Wake me up up before you go“ stand. Daraufhin fügte Michael dem „go“ ein zweites „go“ hinzu und kam so auf die glorreiche Idee eines neuen Songtitels. „Wake me up up before you go-go“ wurde zum Mega-Hit und erreichte als allererste Wham!-Single Platz eins der Charts – eine massive Bestätigung für Michael, unter dessen Verantwortung der Songwriting-Part lag. Andrews Beitrag beschränkte sich rein auf die Aufnahme. Diese Vereinbarung hatten die beiden zumindest getroffen.

Auf der Suche nach sich selbst

Doch immer wieder schien George in seinen eigens komponierten Songs auf seine Homosexualität Bezug zu nehmen. Als junger Mann, der sich immer noch selbst suchte, fehlte es George schlicht und einfach an Selbstvertrauen – und ja, auch in der Zeit, als Wham! bereits riesige Erfolge verbuchen konnte. Sein schlechtes Selbstvertrauen ist womöglich auch auf seinen Vater zurückzuführen, der mit dem Karriereweg seines Sohnes nicht einverstanden war. Georgios Kyriacos Panayiotou, der jahrelang mit seiner eigenen Identität gekämpft hatte, verwandelte sich auf einmal in George Michael.

Bei der Veröffentlichung von „Careless Whisper“ erahnte Andrew bereits, dass sich Wham! und Georges Solokarriere eines Tages überschneiden würden. Doch „Last Christmas“ zögerte dieses unvermeidliche Ereignis noch etwas hinaus. Mit dem Song landeten sie erneut einen Nummer-eins-Hit, der bis heute den ultimativen Weihnachtsklassiker verkörpert.

Das Ende einer Ära

Nachdem Wham! eine Konzert-Reihe in China spielte, wurde Georges innere Stimme, die sich fragte „Wann nun?“ immer lauter. Er wusste ganz genau, dass er mit Wham! nicht glücklich werden würde. Alles, was er benötigte, war die Bestätigung seiner eigenen Person. Irgendwann wurde seine innere Stimme so laut, dass er beschloss, seine Solokarriere einzuschlagen. Und die beiden wussten, dass der Zeitpunkt einmal kommen werde. Im Februar 1985 war es so weit. Nach einem Abschiedskonzert gingen Andrew und George endgültig getrennte Wege.

Rezension der WHAM-Doku

Mir hat die WHAM-Doku sehr gut gefallen und bekommt von mir fünf von fünf Sternen. Anhand der zahlreichen Fotos und Videoaufnahmen, die aus dem Privatarchiv von Andrews Mutter stammen, hat man als Zuschauer*in das Gefühl, den Aufstieg des Duos in den Pop-Olymp beinahe live miterlebt zu haben. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive der zwei Protagonisten selbst. Vorsicht jedoch: Präg dir am besten ganz am Anfang die zwei Stimmen von Andrew und Michael ein, um sie im Laufe der Doku voneinander unterscheiden zu können. Wenn ich einen Punkt kritisieren soll, wäre das, dass auf heikle Themen nicht näher eingegangen wird. Als George seinem Duo-Partner Andrew seine Homosexualität offenbart, könnte man darüber mutmaßen, wie es ihm mit der Vermarktung als männliches Sexsymbol all die Jahre erging. Zuseher*innen werden aber enttäuscht, denn das Thema wird nur oberflächlich behandelt.

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Wo finde ich die Doku „WHAM!“?

Als Stream auf Netflix

Wer lebt von der Gruppe Wham! noch?

Andrew Ridgeley lebt noch, George Michael wurde am 25. Dezember 2016 in seinem Haus in Oxfordshire von seinem Lebenspartner Tod aufgefunden. Die Todesursache soll ein Herzversagen gewesen sein.

Was macht Andrew Ridgeley heute?

Ridgeley war bis zum Jahr 2017 in einer Beziehung mit Keren Woodward, bekannt als Sängerin der Gruppe Bananarama. Das Paar hat sogar einen gemeinsamen Sohn. In Rickmansworth betrieb er einst die „Bar 92“, die er allerdings schließen musste. Aktuell hat er seinen Wohnsitz in Cornwall. Seine Autobiografie „Wham!“ publizierte er im Dezember 2019.

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