Dirigent*in – Der herausfordernde Beruf im Orchester
Der Chef des Orchesters – Dirigent*in. Er oder sie hat viele wichtige Aufgaben und ist verantwortlich für die musikalische Entwicklung eines Orchesters. Die Momente auf der Bühne sind daher nicht die einzigen, in denen die Dirigent*innen das Orchester leiten und eine wichtige Rolle spielen. Denn die meisten von ihnen könnten beim Konzert fehlen und professionelle Orchester würden nahezu exakt spielen, wie mit ihrem Chef oder ihrer Chefin. Die größte Aufmerksamkeit und die wichtigste Rolle haben sie nämlich während den Proben.
Doch wie sieht der Alltag von Dirigent*innen aus? Was müssen sie alles machen? Warum braucht man sie überhaupt? Wie wird man Dirigent*in? Und wie arbeitet ein*e gute*r Dirigent*in? Alle diese Fragen werden wir in diesem Beitrag beantworten und du wirst bestimmt viele neue Dinge entdecken und einen besseren Einblick in die Arbeit und das Leben von Dirigent*innen bekommen.
Inhaltsverzeichnis
Was macht ein*e Dirigent*in in der Probe?
Die meiste Arbeit leisten Dirigent*innen nicht im Konzert, sondern in den Proben. Sie müssen dafür sorgen, dass schon dort alle wichtigen Dinge besprochen und einstudiert wurden und alles bis ins letzte Detail geprobt sind. Dabei ist es ebenso wichtig, möglichst zeiteffizient zu arbeiten und die Probenzeit sinnvoll zu nutzen. So gut man die Probe vorab geplant, es wird immer anders kommen und man muss auf alle Eventualitäten schnell reagieren können.
Es gibt nun natürlich sehr viele Aufgaben, die ein*e Dirigent*in während einer Probe hat:
Korrektur von Fehlern
Die einfachste und offensichtlichste Aufgabe ist das Korrigieren von Fehlern. Stimmt die Intonation nicht, wird ein falscher Rhythmus gespielt oder spielen einzelne Register nicht zusammen. Diese Aspekte müssen unter anderem ständig korrigiert werden. Außerdem kann es vorkommen, dass andere Musiker*innen Fehler bemerken oder selbst nicht genau wissen, wie manche Stücke gespielt werden. Auch hier müssen Dirigent*innen weiterhelfen und auch mal bestimmte Passagen eingehender erklären.
Verfeinerung des musikalischen Ausdrucks
Als musikalische*r Leiter*in kontrolliert man ebenso die Dynamik, Artikulation und Phrasierung des Orchesters. Die verschiedenen Register müssen ausgeglichen und ihrer Funktion entsprechend laut spielen. Das heißt, dass nicht immer die Melodie die wichtigste und lauteste Stimme sein muss, sondern die Mittelstimmen oft tragender für die Entwicklung der Harmonien und Akkorde sind. Positioniert vor dem Orchester, kann der*die Dirigent*in somit optimal den Ausgleich der verschiedenen Stimmen anleiten. Gemeinsame Artikulation und Phrasierung kann man von dort auch effektiv beeinflussen.
Koordination des Orchesters
Mit dem Dirigat können Dirigent*innen das Orchester zusammenhalten und dafür sorgen, dass alle im gleichen Tempo spielen. Professionelle Orchester sind auf diese Hilfe meist nicht mehr angewiesen und können auch alleine untereinander kommunizieren.
Interpretation der Werke
Dirigent*innen setzen sich vor der ersten Probe schon intensiv mit dem Werk auseinander und überlegen sich, welche Passagen gewisse Stimmungen oder Atmosphären verkörpern. Aggressiv, stürmisch, leidend, heiter, lustig oder ängstlich. Das entscheiden die Dirigent*innen mit Beachtung der Angaben der Komponist*innen. Auch hier besteht die Aufgabe darin, einheitliche Regeln und Vorgaben für die Interpretation zu finden, damit jede*r Musiker*in zusammen in einem großen Orchester spielt.
Kommunikation mit den Musiker*innen
Einerseits ist die Kommunikation selbstverständlich, um die Gedanken und Wünsche an das Orchester weiterzugeben. Andererseits sorgt der*die Dirigent*in neben dem Orchestervorstand dafür, dass das Klima in den Proben angenehm ist. Jeder soll sich wohlfühlen und motiviert an den Proben teilnehmen.
Du siehst also, dass Dirigent*innen viele, wichtige Aufgaben haben und immer top vorbereitet sein müssen. Für alle ist es jedoch keine Last, sondern ein Vergnügen, sich vorzubereiten und das beste aus dem Orchester herauszuholen.
Wie wird man jetzt eigentlich Dirigent*in?
Jetzt weißt du schon, was Dirigent*innen alles leisten müssen. Doch wie wird man eigentlich Dirigent*in?
Das kommt ganz darauf an. Ein fertiges Rezept dafür gibt es nicht. Jede*r hat eine andere Geschichte, wie er*sie zum Dirigieren gekommen ist. Nur der erste Schritt wird bei allen wahrscheinlich der gleiche gewesen sein: Sie haben begonnen, ein Instrument zu spielen. Dirigieren ist eine Art Erweiterung zum eigenen Instrument. Würdest du die Sicht der Musiker*innen nicht kennen und könntest kein Instrument spielen, wäre der Job so gut wie unmöglich.
Anschließend gibt es viele weitere Wege. Zum einen kannst du in einem Musikverein oder einem Orchester mitspielen, das Interesse am Dirigieren wird bei dir geweckt und du hast Lust vor dem Orchester zu stehen. Dann kannst du dort einfach mal nachfragen, ob du das einmal ausprobieren darfst. Wenn es dir gefällt, bieten Vereine in deiner Gegend häufig sogenannte C-Kurse an. Dort lernst du die ersten Grundlagen und darfst anschließend auch schon eigene Orchester dirigieren. Vielleicht kommst du aber auch durch deine Schule oder Musikschule zu einem Dirigentenkurs und kannst beginnen, kleinere Proben zu übernehmen.
Der erste Schritt als Dirigent*in ist geschafft – Wie wird nun das Hobby zum Beruf?
Nun konntest du schon erste Erfahrungen sammeln und dich in Orchestern weiterbilden und Proben leiten. Doch was, wenn du dieses Hobby nun weiter beruflich verfolgen willst? Dann ist nach deinem abgeschlossenen Abitur ein Studium der richtige Weg für dich. Dort lernst du alle wichtigen Fähigkeiten, die ein*e Dirigent*in benötigt. Zudem bekommst du dort meistens schon die Möglichkeit, mit Hochschulorchestern oder auch bekannteren Orchestern aus deiner Stadt zu dirigieren. Somit sammelst wertvolle Proben- und Auftrittserfahrung und hast es später noch leichter, mit Profis zu arbeiten.
Für die Theorie ist das Studium sehr wertvoll und auch in der Praxis kann es dich schon früh sehr weit bringen. Doch die Praxis wirst du dein Leben lang noch erweitern und ausbauen. Die theoretischen Kenntnisse wirst du so häufig und intensiv nur im Studium gelehrt bekommen. Ohne die Theorie und das Verständnis für die Musik kannst du dich auch in der Praxis nicht weiterentwickeln. Lerne daher sorgfältig und betrachte das Dirigieren wie ein Instrument, das du täglich üben musst: Studiere Partituren, mache die praktischen Übungen der Professor*innen und Lehrer*innen, schau dir Auftritte an, nehme an Proben teil, dirigiere vor dem Spiegel und leite viele Proben. So wird es von Tag zu Tag einfacher.
Tipp: Erfahre hier mehr zu Aufnahmeprüfungen im Musikstudium und finde die beste Hochule für dich.
Was kann ich als Dirigent*in verdienen?
Du hast dich bestimmt auch schon mal gefragt, was du später als Dirigent*in verdienen kannst und ob es sich überhaupt lohnt. Die Antwort ist einfach und schwer zugleich. Es lohnt sich nämlich immer, wenn du dich zu 100 Prozent für die Musik begeisterst und Spaß daran hast, jeden Tag mit Musik zu verbringen. Andererseits ist das Gehalt stark von deiner Stelle und auch deinen zusätzlichen Nebentätigkeiten abhängig. Wenn du bekannt bist, kannst du mehr verdienen als die meisten Ärzte. Hast du jedoch eine Stelle an einem kleinen Theater, was nicht die finanziellen Mittel hat, dich gut zu bezahlen, so musst du mit wenig auskommen.
Das Geld sollte bei diesem, sowie auch bei ALLEN anderen musikalischen, künstlerischen Berufen jedoch keine Rolle spielen. Gestalte dein Leben mit der Musik aus Leidenschaft und nicht mit dem Gedanken irgendwann viel Geld damit zu verdienen. Dann bist du in dieser Branche leider falsch. Natürlich kann das teils geringe Gehalt für dich ein Ausschlusskriterium sein, wenn du dir ein wohlhabendes Leben wünschst und vielleicht schon eine Alternative zu diesem Job hast.
Schaue dir auch gerne mal ein unseren Beitrag zu Jahresplanung von Musiker*innen an. Dort erfährst auch mehr über diese Berufung.
Welche Fähigkeiten sollten Dirigent*innen besitzen?
Als Dirigent*in gilt es grundlegende Fähigkeiten zu besitzen und somit auf effektive Art und Weise ein Orchester auf anstehende Konzerte vorzubereiten. Natürlich sind die Anforderungen an eine*n Dirigent*in eines Laien-, Jugend- oder Profiorchesters deutlich unterschiedlich und decken verschiedene Bereiche ab. In Jugendorchestern ist nicht nur gute Musikpädagogik gefordert, sondern auch ein Verständnis für die Arbeit mit jungen Heranwachsenden, die womöglich noch nicht so viel von Musik verstehen. Im Profiorchester steht das Erziehen nicht im Fokus. Hier wird ein gutes Gehör und Detailgenauigkeit gefordert und du musst dich mit Musik auf höchstem Niveau auseinandersetzen können.
Generell kann man aber ein paar Dinge aufzählen, die jede*r Dirigent*in im besten Fall können oder noch erlernen sollte:
Gutes Gehör
Ein gutes Gehör ist fast selbstverständlich, da die Dirigent*innen Unstimmigkeiten in Intonation, Rhythmus und auch Dynamik innerhalb eines Registers schnell und genau erfassen müssen. Du benötigst aber dafür kein absolutes Gehör.
Multitasking
Du solltest auch schon vorher mit Multitasking keine großen Schwierigkeiten gehabt haben. Als Dirigent*in musst du gleichzeitig Partituren lesen, dirigieren, auf Fehler hören und alles mit der eigenen Klangvorstellung vergleichen.
Motorische Fähigkeiten
Die rechte Hand gibt beim Dirigat meist die Taktart und das Tempo vor – praktisch wie ein visuelles Metronom. Mit der linken Hand teilst du dem Orchester deine musikalischen Vorstellungen mit, gibst Einsätze oder blätterst deine Partitur. Damit das aber funktioniert, müssen sich deine beiden Hände und Arme unabhängig voneinander bewegen können.
Führungsqualitäten
Das mag vielleicht etwas ungewohnt klingen, aber Dirigent*innen sind in ihrer Position der*die Chef*in des Orchesters. Du musst Autorität zeigen und auch mit Kritik umgehen können. Du bist schleßlich als Dirigent*in für alle Musiker*innen verantwortlich und musst somit die Führung sicher übernehmen können.
Noch mehr spannende Artikel findest du bei mukken!
Wenn du mehr über verschiedene Instrumente oder das Sinfonieorchester erfahren möchtest schaue gerne in unserem Blog vorbei. Wir habe dort auch viele weitere wissenswerte Inhalt für dich vorbereitet und erzählen dir gerne mehr über das Geschehen in der Musikwelt. Sei es über die neuesten Filme oder Bücher oder über das Musikbusiness. In zahlreichen Artikeln und in unserem Podcast lernst du spannende neue Dinge.
