KGLW – PetroDragonic Apocalypse
Das neueste Album aus der Schmiede von King Gizzard And The Lizard Wizard ist gerade erschienen und es wird Zeit, sich dem aktuellen Werk der musikalischen Chamäleons anzunehmen. „PetroDragonic Apocalpyse; Or, Dawn Of Eternal Night: An Annihilation Of Planet Earth And The Beginning Of Merciless Damnation“ ist der vollständige Albumtitel und stellt das zweite Album in der Diskographie dar, welches sich stilistisch dem Heavy Metal verschreibt. Ähnlich zum Vorgängerwerk wird hier erneut auditiv die Apokalypse heraufbeschworen, mit 7 Songs, welche eine zusammenhängende Geschichte erzählen. Das Album wurde auf King Gizzard And The Lizard Wizard`s eigenem Label KGLW, welches 2020 während der globalen Pandemie gegründet wurde, am 16.06.2023 offiziell veröffentlicht.
Die Bandbreite der verrückten Australier wird um einige Facetten reicher – war der Vorgänger „Infest The Rats‘ Nest“ noch eher auf Stoner / Doom Metal ausgerichtet, so fusioniert „PetroDragonic Apocalypse“ die Stilrichtungen Thrash, Speed und gelegentlich Progressive Metal. Kann die erneute metallische Platte weiterhin überzeugen oder säuft sie elendig ab in einem Meer aus Petroleum? Schauen wir uns das genauer an.

Retro-Apocalypse Now!
Das Speed / Thrash Epos der musikalischen Chamäleons King Gizzard And The Lizard Wizard beginnt ohne größeres Vorgeplänkel und reißt die Zuhörenden inmitten des harten Stahlgewitters mit dem Track „Motor Spirit“. Schon nach dem ersten Song kann mit Gewissheit davon gesprochen werden, dass „PetroDragonic Apocalypse“ das mit Abstand schnellste Album der Aussies ist. Der Klang aller Instrumente ist herzhaft retromäßig gehalten und könnte, wie sämtliche anderen Alben der Band, direkt aus der illustren Vergangenheit der Musikgeschichte entstammen. Schnelle, effiziente Drums und sägende Riffs, gepaart mit dem unverwechselbaren Gesang von Stu McKenzie lassen King Gizzard mit einem direkten Hit das Album durchstarten und geben klipp und klar den Ton preis, den dieses Album konsequent durchzieht.
Selbst einige progressive Elemente scheinen bereits durch, wie eine kurzzeitige ethno-tribale Passage, welche mit indigen angehauchten Drums und Soundeffekten aufwartet, die sich durch das gesamte Album ziehen. „PetroDragonic Apocalypse“ stellt ein Konzeptalbum dar, welches sich mit der religiösen Besessenheit der Menschheit mit Technik auseinandersetzt, welche für eine globale Katastrophe sorgt und ein neues, post-apokalyptisches Zeitalter entstehen lässt, in dem reptilienartige Wesen die schöpferische Krone an sich reißen.
Motor Spirit (1) ist eine klare Stellungnahme zu der fanatisch wirkenden Anbetung von Motoren und dem mit ihnen assoziierten Fortschritt. Der Refrain des Songs wird wie bei den restlichen sechs Songs der Platte fast schon mantra artig vorgetragen, jedes einzelne Lied trägt den Refrain in einer leicht abgeänderten Form vor. Bei dem Starttrack erfolgt der titelgebende Motorgeist in einem Gesang, der dem ominös-mystischen tibetanischen Kehlkopfgesang nahekommt.
Den zweiten Song Supercell (2) charakterisieren eine Barrage von Double Kick dominanten Drum Beats und den Hintern aufreißende Riffs und eine lyrische Fantasie von gigantischen Naturkatastrophen, welche durch aus dem Ruder laufenden Technikfortschritten erzeugt werden. Der Refrain punktet mit infektiösen Gangshouts und lässt das aufgebaute Tempo zu keiner Sekunde abbrechen.
Danach folgt Converge (3), in dessen Speed / Thrash Gewitter sich altbekannte King Gizzard And The Lizard Wizard Vocal Hooks einnisten. Insbesondere in diesem Song werden einige Register beim Gesang gezogen, was für eine erfrischende Abwechslung sorgt. „Converge“ besticht durch ein brillantes Hauptriff und bereits jetzt klingt die Band so, als ob sie niemals etwas anderes musikalisch aufgezogen hätte, welches für die musikalische Versiertheit von King Gizzard zeugt.

King Gizzard And The Lizard Wizard – Progressivität ohne Limit?
Die ungefähre Hälfte des Albums wird durch Witchcraft (4) eingeläutet, welches sich nahtlos an das brillante Ende von „Converge“ einfügt. Bei diesem Song wird der psychedelische Puls von King Gizzard And The Lizard Wizard, für den die Band berühmt-berüchtigt ist, reibungslos in ein Metal-Gewand übertragen. Ein großartiges musikalisches Erkennungsmerkmal von KGATLW, das Signatur-Woo, welches in allen Releases der Band von Sänger McKenzie intoniert wird und mittlerweile einfach ikonisch geworden ist, erfährt in diesem Song seine glorreiche Rückkehr. „Witchcraft“ ist ein eher Heavy Psych Track, indem der Bass einmal richtig glänzen darf, da er in den restlichen, härteren Songs in den Hintergrund gedrängt wird.
Ansonsten wirkt das Lied einen trance-artigen Sog aus, vor allem in der rhythmischen Kombination und entsprechender Spiegelung der Musik und des Gesangs. Danach folgt die erste der beiden vorab erschienenen Songs Gila Monster (5), welches durch einprägsames Riffing und Borderline Rap Vocals, die in den Strophen vorgetragen werden, sich auszeichnet. Das dazugehörige Musikvideo ist ein weiteres Testament für den grenzenlosen Humor der Band. Als der Song im Vorfeld veröffentlicht wurde, wirkte er etwas zäh und einfallslos, doch im Kontext des Albums funktioniert er einwandfrei und hat wie sein Vorgänger auch einen nahtlosen Übergang.
Die letzten beiden Songs drehen die progressive Schraube noch einige Einheiten enger und warten mit Lauflängen von über neun Minuten auf. Der erste der beiden Übertracks ist Dragon (6), welcher die zweite Single-Auskopplung darstellt und wie „Gila Monster“ ebenfalls ein Musikvideo gewidmet wurde. Der Song besticht durch vertrackte Tempowechsel und eine regelrechte musikalische Rahmenhandlung, die den Track inhaltlich zusammenhält.
Hier scheinen erneut vermehrt progressive Elemente hindurch, die im finalen Abschlusssong Flamethrower (7) noch weiter ausgebaut werden. Dieser dreht noch einmal auf in Sachen brachialer, auditiver Gewalt auf und ist der mit weitem Abstand der härteste Song des gesamten Albums. King Gizzard And The Lizard Wizard fahren für die erste Hälfte die schweren Geschütze auf, und ab dem Mittelteil tobt der Song sich in einer Progressivkaskade gehörig aus, die von den genial eingesetzten Tribal Parts dominiert sind.
Auf der Vinylversion findet sich zusätzlich eine weitere Seite mit dem Bonustrack Dawn Of Eternal Night (Bonus), der ein viertelstündiger Ambient-Song ist, welcher mithilfe einer Erzählerin den lyrischen Inhalt zusammenfasst.
Fazit zur KGATLW Platte
Im Großen und Ganzen bleibt am Ende zu sagen, dass das zweite metallische Experiment der Australier erneut gelungen ist und eine spannende lyrische und musikalische Reise bietet, die mehrfache Durchläufe stark belohnt. Selten wird der Untergang der uns bekannten Welt derart spaßig und kreativ thematisiert wie auf PetroDragonic Apocalypse, und es bleibt, wie immer bei King Gizzard And The Lizard Wizard, wahnsinnig aufregend, wohin die Reise als nächstes geht.
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