Saxophon lernen ist im Einstieg leichter als bei anderen Instrumenten. Es ist ein neues und spannendes Instrument.
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​​​​Saxophon lernen – Tipps für Anfänger*innen

Das Saxophon gehört zu den jüngsten Instrumenten aus der Familie der Blasinstrumente und überzeugt durch seine vielfältigen Klänge und Spielweisen. Von Jazz bis Klassik ist es stilistisch breit aufgestellt und ist in allen möglichen Größen und Konstellationen im Orchester oder als Soloinstrument vertreten. Doch wie schwer ist es eigentlich, das Saxophon zu lernen? Warum sollte man das Instrument spielen? Und auf welche Dinge sollte man als Anfänger*in achten? All diese Fragen werden wir dir in diesem Beitrag beantworten. Dabei haben wir uns professionelle Hilfe gesucht und den Saxophonisten Andreas Steffens zu einem Interview getroffen, bei dem wir viele Tipps für dich bekommen haben.

Warum sollte man das Saxophon lernen?

Für das Saxophon als Instrument sprechen gleich mehrere Dinge. Andreas Steffens meint: “Für mich gibt es drei Gründe, warum das Saxophon ein so gutes Instrument ist.”

Vielfältigkeit

Stilistisch sehr breit aufgestellt und für jeden ist etwas dabei. Ob Rock, Pop oder Jazz – das Saxophon findet man in allen dieser Stile wieder. Auch moderne Kompositionen aus dem 20. Jahrhundert beispielsweise von Claude Debussy oder Paul Hindemith sowie Neue Musik fallen in das Repertoire von Saxophonist*innen. Dadurch bist du beim Saxophon lernen sehr flexibel und kannst deine persönlichen Vorlieben finden, ohne dass du stilistisch eingeschränkt wirst.

Tonbildung zu Beginn

Auch bei diesem Instrument muss man viel üben, um sich weiterzuentwickeln und Fortschritte zu machen. Doch laut Steffens sind die ersten Schritte relativ schnell erlernbar und der Zugang leichter als zum Beispiel bei Blechblasinstrumenten wie dem Horn oder der Trompete. Das liegt zum einen daran, dass es einfaches Liedmaterial gibt und sich der Ansatz schnell bildet. Aber auch an der späteren Erfindung im Jahr 1840 von Adolphe Sax lässt sich begründen, das Saxophon ist ein sehr “fortschrittliches” Instrument. Somit ist es nicht nur für junge Leute ein gut geeignetes Instrument für den Anfang, sondern auch für ältere Menschen, die vielleicht sogar schon in Rente sind und sich ein neues Hobby suchen – es ist nie zu spät ein Instrument zu lernen.

Flexibilität

Einerseits bietet sich durch stilistisch vielfältiges Repertoire Flexibilität, wodurch du dir den für dich passenden Musikstil aussuchen kannst. Außerdem gibt es, wie bei der Klarinette oder der Querflöte, verschiedene Arten und Größen von Saxophonen. Vielleicht willst du aber nicht mit dem größten Instrument beginnen oder dein Körper ist noch zu klein für gewisse Größen. Kein Problem! Du kannst einfach mit einem kleineren Instrument beginnen und nach einiger Zeit bequem auf eine andere Variante umsteigen, denn die Fingersätze sind bei allen Saxophonen identisch und du musst somit wenig Neues lernen.

Wie schwer ist der Einstieg? – Schwierigkeiten und Vorteile

Wir haben schon erfahren, dass sich der Einstieg beim Saxophon etwas einfacher gestaltet und du schon schnell die ersten Töne spielen kannst. Die ersten zwei Oktaven – vom c’ bis zum c’’’ – lassen sich leicht greifen und sind zu Beginn der normale Tonumfang. Darüber lassen sich die Töne schwerer erzeugen, da Ansatz und Atmung mehr gefordert werden und du eine stärkere Stütze im Bauch brauchst. Außerdem gibt es ab dem c’’’ neue Griffe, bei denen man die sogenannten Palmkeys drückt. Diese werden nur mit den Handflächen gedrückt und machen das Saxophon so etwas instabiler, da man es nicht mehr mit den Fingern festhält. Unter dem c’ kannst du noch einen Ganzton tiefer spielen, wofür du allerdings mit deinem kleinen linken Finger größere Klappen betätigen musst, was für den Anfang auch noch etwas schwer ist.

Der richtige Beginn zum Saxophon lernen im jungen Alter sei am besten, nachdem die Kinder ihre vorderen Schneidezähne verloren haben, da man beim Spielen die oberen Zähne auf das Mundstück auflegt, meinte Andreas Steffens in unserem Interview. Es gäbe zwar auch mittlerweile Vorstufen mit Alternativen, aber grundsätzlich sollten die festen Zähne vorne vorhanden sein.

Hast du nun begonnen zu lernen und kannst die ersten Töne spielen, willst du vielleicht nicht nur noch alleine in deinem Zimmer üben, sondern auch mal mit anderen in einem Orchester spielen. Wann du dafür bereit bist, kann man nicht genau festlegen. Steffens sagt: “Nach circa einem Jahr ist man weit genug, um in einem Orchester zu spielen. Dann kann man die ersten beiden Oktaven (c’ bis c’’’), sowie die meisten Vorzeichen und Rhythmen spielen.” Das ist aber nur eine grobe Schätzung und ist immer von dem Orchester und den Musiker*innen selbst abhängig.

Tipps zum Üben des Saxophons

Wie bei allen Instrumenten ist das regelmäßige Üben Grundvoraussetzung. Auch wenn wir festgestellt haben, dass der Beginn hier leichter fällt, bedeutet das nicht, dass du auf Lehrer*innen verzichten kannst, die dir die nötigen Hilfen und Übungen zum effizienten und korrekten Üben geben kann. Um dir den Anfang aber zu erleichtern und Fehler zu vermeiden, die dir den Spaß am Saxophon schon zu Beginn rauben können, haben wir Andreas Steffens gefragt, welche Hinweise er den Anfänger*innen geben kann:

Körperbewusstsein und Wahrnehmung

“Der größte Teil, circa 90 Prozent, des Klangs entsteht im Körper. Den Rest kann man am Instrument verändern.”, so Steffens. Du musst also gleich zu Beginn verstehen, was in deinem Körper mit der Luft passiert, wofür zum Beispiel Zwerchfell, Zunge oder Kehlkopf da sind und was sie verändern. Auch wenn du das Instrument nicht professionell spielen willst, solltest du eine gute Ausgangslage schaffen. Dadurch entwickelt sich dein Klang schon zu Beginn und du kannst dir viele zusätzliche Stunden des Übens ersparen.

Haltung

Anders als bei Klavier oder Violine gibt es beim Saxophon keine Überstreckungen oder unangenehme Haltung der Finger – passiert es trotzdem, frag deinen Lehrer oder deine Lehrerin wo dein Fehler liegt. Achte daher aber immer auf eine entspannte, natürliche Haltung der Finger und positioniere sie beim Spielen immer an den Klappen, auch wenn du diese nicht drücken musst, um große Bewegungen zu vermeiden und Energie zu sparen. Du solltest außerdem immer im Stehen üben, da du so besser atmen kann und eine bessere Körperhaltung hast – Füße hüftbreit und Oberkörper aufrecht. Zudem hast du einen Halsgurt, an dem das Saxophon befestigt ist. Dieser sollte so eingestellt sein, dass dein Kopf in einer angenehmen Position ist und du das Instrument dann ansetzen kannst, ohne den Kopf nach vorne oder hinten zu neigen. “Das Sax kommt zu dir und nicht du zu ihm”, ist Steffens Antwort für die richtige Einstellung des Gurtes.

Atmung

Bei der Atmung solltest du darauf achten, aus dem Bauch heraus zu atmen und die Schultern nicht zu heben und so durch die Lunge Luft einzusaugen. Dabei hyperventilieren nämlich viele und verbinden das Saxophon lernen so mit schlechten Eigenschaften, die aber der falschen Anwendung geschuldet sind.

Mit spielerischen Übungen den Spaß erhalten

Dieser Tipp gilt vor allem für die Instrumentallehrkräfte oder Musikschulen. Lästige Übungen müssen mal sein, doch es gibt viele Wege, den Anfang spielerisch zu gestalten und komplexe Vorgänge im Körper bildlich zu beschreiben. So verbindest du das Üben des Saxophons auch mit Spaß und kannst dich motivieren weiterzumachen. Man kann die wichtigen Grundlagen und die gleichzeitige Konzentration auf den eigenen Körper beim Spielen verpacken. Gerade deshalb empfiehlt Steffens zu Beginn eine*n sehr gute*n Lehrer*in, der*die das nötige Wissen mitbringt und die Basisarbeit gründlich mit dir zusammen angeht.

Was für Mundstücke gibt es?

Das Material der meisten Mundstücke ist Kautschuk, manche sind auch aus Metall. Der Klangunterschied ist aber gering. Für Jazz und Klassik spielt man hingegen unterschiedliche Mundstücke – das macht sich aber erst auf professioneller Ebene bemerkbar. Jazz-Mundstücke sind innen breiter, besitzen also ein größeres Loch, da so mehr Luft in das Instrument fließt und man einen volleren, lauteren Klang erzeugen kann. Das Rohrblatt hat hier einen deutlich größeren Abstand zum Mundstück, wodurch mehr Variation im Sound entstehen kann. In der Klassik baut man eher auf einen zentrierten und gut intonierten Klang. Daher ist das Mundstück innen schmaler und der Abstand zwischen Mundstück und Rohrblatt deutlich geringer als im Jazz.

Die Wahl des Mundstücks ist für Einsteiger*innen recht einfach zu beantworten. Ein 4C Mundstück sei für den Anfang angemessen, sagt Steffens. Hier haben wir für dich direkt einen Link dazu:

Muss man ein Saxophon reinigen?

Die Frage ist schnell beantwortet: Ja! Für eine gute Erhaltung des Instruments solltest du es nach jedem Spielen mit einem speziellen Tuch von innen reinigen, um die Feuchtigkeit zu entfernen. Bei der äußerlichen Reinigung solltest du eher vorsichtig sein, da du Klappen und die Polster darunter beschädigen könntest – das könnte im Anschluss teuer werden.

Ein weiterer Tipp von Andreas Steffens: Trinke keine zuckerhaltigen Getränke vor und während des Spielens. Denn durch deinen Atem gelangt Zucker an die Lederpolster, die dann über längere Zeit kaputt gehen. Dann musst du diese austauschen, was nur im Zusammenhang mit einer Generalüberholung gemacht wird – Kosten sind meist 800 Euro. Das müsstest du so alle 2 bis 3 Jahre machen. Ohne Zucker halten die Polster bis zu 5 bis 6 Jahre.

Welches Instrument für Anfänger*innen? – Saxophon lernen

Man sollte nicht am falschen Ende sparen! Kaufe kein günstiges Instrument mit dem Gedanken, dass du oder dein Kind vielleicht nicht so lange spielen. Bei den Instrumenten von zum Beispiel Yamaha hast du kaum einen Wertverlust und kannst es so nach mehreren Jahren für fast das gleiche Geld wieder verkaufen. Hingegen sind günstige Instrumente Jahren später nur noch wenig Wert und beim Spielen verbiegen sich dort oft Klappen, wodurch das Üben keinen Spaß mehr macht. Achte darauf, dass du dein Instrument pfleglich behandelst und du kannst es sehr gut wieder verkaufen.

Hier sind ein paar gute Einsteiger-Instrumente, die uns empfohlen wurden:

Andreas Steffens zu Gast im Interview

Andreas Steffens ist seit 1997 Saxophonlehrer am Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz und hat zudem seit 2012 einen Lehrauftrag für Saxophon an der Folkwang Universität der Künste in Essen. 1989 bis 1991 studierte er Musikpädagogik in Köln. Darauf folgte sein Studium im Fach Saxophon für Jazz- und Popularmusik an der Hochschule der Künste in Arnheim (Niederlande). Am Landesmusikgymnasium leitet Steffens ebenfalls mehrere BigBands und ist darüber hinaus als Komponist für Theater-, Film- und Hörspielmusik. Heute ist er stets als Musiker aktiv und bietet Workshops für Saxophon an.

Wenn du auch gerne einen Workshop bei Andreas Steffens buchen möchtest, schreibe ihm doch gerne eine Email an steffensandreas@online.de und informiere dich über seine angehenden Projekte.

Weitere Beiträge zu Instrumenten gibt es bei mukken!

Dir hat dieses Interview und der Beitrag zum Saxophon lernen gefallen? Dann stöbere gerne noch weiter in unserem Magazin. Dort haben wir viele weitere Instrumente wie Querflöte, Trompete oder Horn vorgestellt. Schaue auch bei Andreas Steffens vorbei und erfahre mehr über seine Person! In unserer Musikersuche findest du außerdem noch viele weitere Musiker*innen und kannst dich mit ihnen über aktuelle Themen austauschen.

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